Ethische Aspekte und rechtliche Rahmenbedingungen und ihre Auswirkung auf das therapeutische Setting und die Interventionen in der psychotherapeutischen Arbeit mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen

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Allgemeines zum Thema

Zitat Nr. 1

„Nimmt der [die] Therapeut[ _in] unreflektiert den Auftrag der Mutter [Vater/Eltern][....] gerät [er/sie] mit dieser Verantwortungsübernahme unweigerlich in Kollision mit seinen [ihren] eigenen systemischen Vorstellungen: hier die hohen Erwartungen der Eltern an die Therapeut[ _in] nach direkter, linearer Einflussnahme auf kindliches Verhalten außerhalb des Therapiekontextes [...], andererseits weiß er[sie] um seine[ihre], auf den Therapiekontext beschränkten bescheidenen Mittel der (nicht-linearen, sondern zirkulären) Einflussnahme. Diese Schere, die sich für ihn[sie] nun auftut, könnte man [...] als „Therapeutenfalle“ bezeichnen. Der [Die] systemische Kindertherapeut[ _in], der[die] diesen Auftrag zum Einzelsetting angenommen hat, wird gezwungen sein, sein[ihr] volles Repertoire an Interventionstechniken auszuprobieren, in der Hoffnung, das „passende“ Werkzeug zu finden (er [sie] läuft aber damit Gefahr, im selben Problemmuster wie die Eltern verhaftet zu bleiben [....]).“

[1]

Andi Höher
Es ist selbst nach jahrelangem Arbeiten mit Kindern und deren Familien immer wieder schwer, diesem (meinem) inneren Drang zu widerstehen, Kinder zu „reparieren“ oder - quasi als Elternsurrogat - pädagogisch einzuwirken oder Eltern zu belehren. Ich ertappe mich bei der Versuchung, meine allparteiliche Haltung aufzugeben, mein psychologisches Wissen (den Kindern und Eltern) aufzudrängen und verfange mich in einem persönlichen, vielleicht sogar narzisstisch geprägten Veränderungs- und Lösungswunsch. Es ist ein stetes Abwägen meiner inneren therapeutischen und persönlichen Anteile, des inneren Vaters, des Retters, des Richters, des Lehrers, des Pfarrers, des Dompteurs, des Psycho-Expertens und den viele anderen leiseren oder dominanteren Parts in meiner Patchworkidentität. Letzten Endes, wer will nicht das Gefühl haben, wirksam, hilfreich und der (die) „richtige“ Therapeut_in für dieses Familiensystem zu sein? Aber nicht nur das. Ich begebe mich dann unwillkürlich in das familiäre und parentale Spannungsfeld, spiele mit um die Gunst der familiären, partnerschaftlichen Loyalitäten und Koalitionen und unterstütze die Familie, insbesondere das Kind im Entstehen eines Loyalitätskonfliktes, bestätige Eltern in ihrer Hoffnungslosigkeit bzgl. der Problematik ihres Kindes und vieles mehr. Natürlich kann ich mich quasi im Sinne der Autonomie der Klienten jedweiliger beziehungsethischer Verantwortung distanzieren und auf der gesetzlichen Haltung ausruhe und argumentieren, dass ich mich zumindest „bemüht“ hätte als Beobachter_in eines in sich „gestörten Familiensystem“ etwas Gutes zu bewirken. Ob das dem Grundsatz „nach bestem Wissen und Gewissen“ entspricht, sei zu hinterfragen. Zurück zum oben angeführten Zitat: „Die Therapeut_innenfalle“ – ein Begriff, der mir hilfreich erscheint, der systemische Therapeut zu sein, der ich sein möchte: Einer, der in seiner allparteilichen Hingewandtheit und Offenheit, jedem Familienmitglied seinen (ihren) Platz geben kann, Grenzen der Veränderung wahr- und ernstnehmen kann und im Dialog machbares vom unmachbaren unterscheiden kann und vieles mehr. Letzendlich aber ein Therapeut, der nicht zusätzlich ein Problem für die Familie wird!


Wien, Juni 2016
Andreas Höher

Einzelnachweise:

  1. Thoma, C. (2005). Nachts schlafen die Ratten doch...und unter Tags trinken kleine Mädchen Apfelsaft! Strategische systemische Therapie mit Kindern und Eltern. In: Systemische Notizen, 2005 Hrsg. La:sf, S.15-16

Zitat Nr. 2

„Zitat...Zitat....“

Einzelnachweise: